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"Sie lebt ihr eigenes Leben. Sie träumt ihre eigenen Träume und fühlt sich einsam und verlassen inmitten der anderen Straßen der großen Weltstadt."[1]

Die Almstadtstraße führt von der Münzstraße auf die nordwestliche Seite des Platzes. Sie war die westliche Begrenzung des ursprünglichen Scheunenfelds. Vor allem in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zogen zahlreiche jüdische Flüchtlinge aus Osteuropa in die damalige Grenadierstraße und unterhielten dort kleine Geschäfte. Heute ist davon so gut wie nichts mehr vorhanden.

Geschichte

Ein unbekannter Prophet gab ihr zunächst den Namen “Verlorne Straße”, unter welchem sie im Straßenverzeichnis von 1799 mit ca. 20 Grundstücken zu finden ist. Neben einfachen Gewerbetreibenden und Handwerkern hatten auch Angehörige der Armee hier ihre Anwesen.[2]

1872 wurde bei der Stadtverordnetenversammlung von Berlin eine Petition eingereicht, die die Weiterführung der Kaiser-Wilhelmstraße nach Plänen von August Orth vorsah. Eine (nicht erfolgte) Genehmigung hätte den Abriss des Scheunenviertels vorweg genommen und auch die Grenadierstraße mit eingeschlossen.[2] Anstelle dessen siedelten sich in ihr in den kommenden Jahrzehnten immer mehr Menschen jüdischen Glaubens an, die häufig aus Osteuropa kommend, die Stadt lediglich als Zwischenstation auf dem Weg nach Amerika eingeplant hatten und dann doch in ihr blieben. Dadurch wandelte sich auch das Erscheinungsbild der Straße.

1933 mit Blick zum Platz

Unmut gab es immer wie z.B. durch den Senf- und Essig-Fabrikanten Franz Otto Heinn, der sich 1912 bei der Stadtverordnetenversammlung über das “breit machende fremdländische Judentum” echauffierte.[2]

Nicht überraschend war die Straße auch Hauptveranstaltungsort der Razzien im Scheunenviertel.

Nachdem bereits im Zweiten Weltkrieg mit einem Großteil der Anwohnerschaft auch einige Bauwerke verschwanden, wurde in der DDR noch so einiges mehr an architektonischem Schabernack betrieben (Stichwort Rote Platte).

Von früheren Getümmel ist heute dementsprechend auch gar nichts mehr zu bestaunen. Konsequenterweise heißt die Straße heute so, wie sie heißt. Man darf sich so fühlen, wie in einer Almstadt (südmitteldeutsch-skandinavisch-anglikanische Utopie). Dass die Straße nach einem kommunistischen Widerstandskämpfer benannt ist, interessiert einen Großteil der Anwohnerschaft genauso wenig, wie als wenn die Dörkin sich mal wieder in die Gegend trauen würde.

Fotos

1907-1933

Links

Referenzen

  1. S. Dembiltzer: Aus engen Gassen. Berlin, 1915.
  2. 2,0 2,1 2,2 H. Helias: Die Grenadierstrasse im Berliner Scheunenviertel. Ein Ghetto mit offenen Toren, Hentrich & Hentrich Verlag Berlin 20210
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