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Der Platz (auch ) ist ein Areal in Form eines Dreiecks. Er entstand auf dem Areal des Scheunenviertels durch dessen Abriss und dem sukzessiven Austausch von Anwohnerschaft und Orten. Im 21. Jahrhundert bestimmt ein Gefühl der Spaltung den Platz, welches vermutlich auf seine Beschaffenheit als ∇ zurückzuführen ist.

Geschichte: Becoming der Platz

19. Jahrhundert: Erste Bestrebungen

Erste Bestrebungen, die Kaiser-Wilhelm-Straße weiterzuführen und mit der Schönhauser Allee sowie mit der Prenzlauer Allee zu verbinden, gab es seit 1861. In einem städtebaulichen Entwurf von August Orth von 1871 ist bereits eine Weggabelung zu erkennen. 1899 reichten Grundbesitzer des Scheunenviertels und angrenzender Bezirke eine Petition zur Umgestaltung des Areals ein, in der man sich für eine ∪-förmige Gestaltung aussprach. Bei der Stadtverordnetenversammlung hatte dieser Vorschlag gegenüber dem eigenen, an Orth angelehnten Entwurf, das Nachsehen.

1900-1914: Die Geburt des ∇ und dessen Nachgeburt

Die dreieckige Form zwischen Rosa-Luxemburg-Straße und Weydingerstraße entstand von 1906 bis 1908 nach dem Abriss des Scheunenviertels und der Durchlegung der Kaiser-Wilhelm-Straße auf der neu entstandenen Freifläche.

Im Zuge des ersten Abrisses wurde an der freigelegten Fläche bis 1910 Kanalisations-, Gas-, Wasser- und Telegraphenleitungen verlegt und ein Untergrundbahntunnel fertiggestellt.[1]

Kartenansicht von 1905 sowie dem späteren Straßenverlauf (orange)

Während der Planungsphase gab man dem Areal den Namen Babelsberger Platz. Kurze Zeit später wurde der Platz in Bülowplatz nach dem gerade aus Amt des Reichskanzlers ausgeschiedenen Bernhard von Bülow umbenannt.[2] Beachtung fand die baldige Umbenennung in der Stadtverordneten-Versammlung weniger als der schlechte Zustand der neu entstandenen Brache in einer Stadtverordnetenversammlung von vom 14. April 1910:

"Ich möchte die Aufmerksamkeit der Parkverwaltung auf einen anderen sehr bösen Punkt in Berlin hinweisen, und zwar auf den Fürst Bülow Platz im Scheunenviertel. Es ist in der Tat ein unwürdiger Fleck in Berlin, der sich da aufgetan hat, und dem man den stolzen Namen Fürst Bülow Platz gegeben hat. Wir, die wir im Norden wohnen, dürfen in keine Versammlung, keinen Verein, nicht einmal in eine Privatgesellschaft mehr kommen, ohne die uns ungeheuerlichsten Vorwürfe hören zu müssen über den Zustand dieses Platzes."[3]

Man beschloss, das brachliegende Areal an die zwei Spekulanten Wilhelm Lippmann und Hugo Lucker zum Preis von 411.852 Reichsmark zu verkaufen.[2] Vertraglich geregelt wurde, dass eine Hälfte bis zum 01. April 1914 bebaut werden sollte, die andere auf den Tag drei Jahre später.[4]1910/11 wurde mit dem Adlerhaus in der Kleinen Alexanderstraße das erste Gebäude errichtet, welches sich an den neuen Straßenverläufen orientierte. Am 27.07.1913 wurde der U Bahnhof Schönhauser Tor eingeweiht. Im selben Jahr entstand der linke Gebäudeteil des Wohn- und Geschäftshauses in der Rosa-Luxemburg-Straße 39/41. Weitere Bauvorhaben verliefen sprichwörtlich im Sande, Lippmann und Lucker boten um Aufschub ihrer vertraglich geregelten Bebauungsfrist. Ein Lichtblick war dabei das Vorhaben des Freien Volksbühne e.V., an der brachen Fläche ein Theater errichten zu wollen. Die Stadtverordnetenversammlung stimmte dem Bau der Volksbühne begeistert zu und gewährte eine Hypothek von für damalige Verhältnisse beträchtliche 2 Millionen Mark. Im Rekordtempo wurde die Volksbühne am 14. Dezember 1914 fertiggestellt. Ein zentraler Teil des Platzes war nun bebaut. Auch die Wiese entstand, daneben stellte man zur Seite der Weydingerstraße eine Litfaßsäule auf. Die späteren Flächen links und rechts blieben zunächst unbebaut und sollten es auch bleiben, denn inzwischen tobte der Erste Weltkrieg und auch wenn die Volksbühne nun aus ganz unterschiedlichen Gründen für Furore sorgte, rückte eine weitere Aufwertung des Platzes in immer weitere Ferne. Inzwischen waren es die Luckmannschen Erben, die um Aufschub der Bebauungsfrist baten. Zumindest wurde die Errichtung von Schmuckanlagen am genehmigt, woraus zunächst der Trinkerpark entstand.[5]


1919-1933: Innerstädtischer Rummel und Schlachtfeld

Beim Generalstreit war das Areal Schauplatz mehrer Gefechte zwischen Arbeitern und Freikorps. Am 09. März 1910 tötete eine Fliegerbombe vor der Volksbühne 4 Passanten, 25 weitere wurden verletzt.[6]

Die ungenutze Fläche links neben der Volksbühne wurde in den 1920er Jahren immer wieder als Rummel genutzt, sehr zur Freude der anwohnenden Kinder.[7]

1925 riefen die Emil Heinicke AG und Industrie-Baugesellschaft Centrum am Bülowplatz einen Wettbewerb auf, um den “würdelosen Zustand des Scheunenviertels ein Ende zu machen” und das “seit vielen Jahren durch eines der hässlichsten Bilder, die Berlin aufzuweisen hat” zu verändern. Der Siegerbeitrag stammte von Emil Schaudt, der jedoch nicht realisiert wurde. Unter den weiteren Teilnehmern war Hans Poelzig.

1927 begann die Stadt, unbebaute Grundstücke zurückzukaufen. Der Bauunternehmer Alfred Schrobsdorff pachtete nun die Flächen und ließ einen Zaun mit Holzreklame aufstellen. Aufgrund des andauernden schlechten Zustand des Platzes beschloss die Stadtverwaltung eine Ausgestaltung der Grünflächen. Bis 1929 wurden mit den Poelzig-Bauten ein Großteil der signifikanten Randbebauung errichtet.

Am 08. August 1931 wurde der 19jährige Fritz Auge durch einen Rückenschuss bei der Räumung des Platzes getötet. Einen Tag später starben zwei Polizisten. Aufgrund der Vorkommnisse wurde der Platz in den kommenden Wochen zur Bannmeile wogegen vor allem die am Platz ansässigen Gastronomen protestierten.

1933-1945: Aktion Gesundung

1933 wurde das Areal nach Horst Wessel benannt. Zwei Denkmäler wurden aufgestellt: Eins für Polizisten und eins für Klein-Horst. Dementsprechend waren so illustre Menschen wie Joseph Goebbels ziemlich gerne am Platz, es war quasi sowas wie da Hood. Die Wiese wurde zum Exerzierplatz umgemodelt, allerdings war das für den damaligen Oberboss etwas zu mickrig, sodass er sämtliche Gigs seiner Stand-Up Comedy Tour dort aus recht plumpen Gründen immer wieder absagte. In dieser Zeit gesellte sich auch die Telefonzelle zum Platz.

1945-1989: Wenig Luft aber viel Liebe

Rechts stand ab den 1970er Jahren ein Parkplatz, links entstand der Spielplatz. Sowohl bei den Volksbühnen-Spektakel als auch bei den Jugendweltfestspielen bewies der Platz in dieser Zeit, dass er auch Hippie kann. Es wurde Theater gespielt, getanzt, gekuschelt und sicherlich noch viel anderes auf der Wiese und den anliegenden Grünflächen gemacht. Davon abgesehen ergrauten nicht nur die Poelzig-Bauten langsam und die Rufe nach Neuanfang oder zumindest einer Auffrischungskur wurden laut. Ende der 1980er befand es die Ostberliner Stadtverwaltung als eine besonders gute Idee, eine neue Staffel vom Abriss des Scheunenviertels zu produzieren. In den als Protagonisten auserkorenen Häusern wurde bereits Dynamit für die Premierenfeier verlegt, welches aber in der Nacht zuvor entwendet wurde. Die geplanten Plattenbauten konnten also nicht gebaut werden, was außer der Roten Platte wahrscheinlich und einige eifrige Stadtentwickler, die plötzlich nichts mehr zu melden hatten (es wendete sich nämlich etwas), niemanden gestört haben.

1990-2017: Von Grau zu Weiß zu Transparent

In den 1990er Jahren wurde das gesamte Gebiet der Spandauer Vorstadt unter Denkmalschutz gestellt, wozu auch der Platz gehörte. Nachdem das Babylon mehrmals drohte, in die Luft zu gehen, musste es Mitte der 1990er Jahre eine Lange Renovierungspause einlegen und verabschiedete sich vom Publikum ebenso wie der grau-in-graue Ton, der allerdings noch kurze Zeit ziemlich hip war.

Sicherlich war dies auch der Regentschaft von Frank I. und seinem künstlerischen Gestalter zu verdanken, die den Platz und alles schmuddelige endlich so nahmen, wie man es eben in den 90er Jahren tun musste: Mach ein Label draus und lach dir ins Fäustchen. Gallionsfigur dessen wurde das Räuberrad, welches seit 1996 das Wahrzeichen von allem und jedem, vor allem aber dieses dreieckigen Platzes ist.

Im neuen Jahrtausend wurde in mehreren Abstimmungsrunden ein Sanierungsplan entwickelt, der zum Ziel hatte, dem Platz seine geometrische Form wiederzugeben. Ferner wurde als Bestrebung die Verbesserung der Aufenthaltsqualität angegeben. Reduzierung des Durchgangsverkehrs und Geschwindigkeitsbegrenzungen sollten ebenso dazu beitragen wie die Neugestaltung des Straßenraums und der Schaffung des Trinkerparks.

Währenddessen war von dem schicken-Schmuddel nichts mehr zu spüren. Die Galerien eroberten den Platz und mit ihnen sämtliche Emils von nah und fern. Die Mission, das von Poelzig begonnene Kultur-Ensemble zu vollenden, wurde durch einen neuen Stern am Himmel über dem Platz in die Hand genommen: Roger Bundschuh wurde zum neuen (oder ersten?) König des Platzes auserkoren. Zumindest von manchen, die das eigentlich nur hinter stillschweigender Hand sagen.

2017-2021: Schei*haufen und Zirkumventionen

Mit dem dramatischen Ende der Regentschaft Frank. I und dem Beginn des Empire of Dercon an der Volksbühne wurde ein neues Kapitel am Platz eingeleitet, welches von Hass, Gewalt und jeder Menge Scheiße bestimmt wurde. Zu weltweiter Aufmerksamkeit gelang der Platz durch die Zirkumvention , welche heute als der Ursprung der Querdenker-Bewegung eingestuft wird. Als Reaktion darauf aber auch andere immer akuter werdenden Probleme bildeten mehrere Anwohner zunächst der sich zunächst im geheimen die Operation ∇. Ihr Ziel ist es, die öffentliche Sphäre von allen schädlichen Elementen zu reinigen und so eine friedliche Rest-Existenz innerhalb der Biosphäre für den Menschen zu sichern.

Referenzen

  1. http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-11071745
  2. 2,0 2,1 R. Friedmann: "Die Zentrale. Geschichte des Berliner Karl-Liebknecht-Hauses", Karl Dietz Verlag, Berlin 2011.
  3. http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-8798771
  4. https://digital.zlb.de/viewer/image/16046606_1913/82/LOG_0011/
  5. https://digital.zlb.de/viewer/image/16339148_1917/501/LOG_0078/
  6. Friedenauer Lokalanzeiger, 11.03.1919 in https://digital.zlb.de/viewer/image/16173899_1919/234/
  7. Kindheitserinnerungen von Isaak Bergbaum in: H. Helas: Die Grenadierstrasse im Berliner Scheunenviertel. Ein Ghetto mit offenen Toren. Hentrich & Hentrich Verlag, Berlin 2010.
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