Ein Haufen Schei*e (oder: Ein Intendantenwechsel) ist ein unveröffentliches Drama eines:r unbekannten Autor:in. Es wird dem Possenspiel sowie der Schundliteratur zugeordnet. Es handelt von dem Intendantenstreit an der Volksbühne im Jahr 2017. Es spielt ausschließlich dort und am Platz.
Sprache und Stil
Die Sprache ist schlecht und der Stil unausgegoren. Der Text wurde von niemanden besprochen und ausschließlich kritisiert, was ihm unter Theaterwissenschaftsstudierenden der GenZ einen gewissen Kultstatus eingebracht hat.[1] Angeblich lässt der Text sich richtig gut lesen, wenn man 8 im Turm hat.[2]
Inhalt
An und für sich geht es eigentlich nur um Frank Castorf und Chris Dercon. Alles andere ist bei Werk, wie zum Beispiel die Masse. Und der titelgebende Haufen.
Personen:
- ein Regent
- Dessen Anhänger
- einige Fürsten
- ein weiterer Regent aus dem Nachbarreich
- ein Staatssekretär
- dessen Nachfolger
- ein Museumsdirektor, Nachfolger des Regenten
- die Presse
- das allgemeine Volk
- eine Gruppe Anarchisten
Zusammenfassung
Ort der Handlung: Ein Hofstaat inmitten einer deutschen Großstadt sowie die unmittelbare Umgebung.
Prolog
Die Presse redet von einer 25-jährigen Regentschaft, in der ein wütender Rebell aus einer Trümmerlandschaft einen strahlenden Hofstaat schuf, dem anfangs ebenso wütende, dann erfolgreiche Fürsten angehörten und dessen Anhängerschaft immer weiter anwuchs, was sämtliche Widersacher verstummen ließ.
1. Akt
Wir erfahren von der Absetzung des Regenten binnen zwei Jahren, die von der Presse verkündet wird (1. Szene). Daraufhin kommt es zu vereinzelten Aufschreien im allgemeinen Volk (2. Szene), bevor zunächst seine Anhänger und dann der Regent selbst in Erscheinung treten und Unmut über den Erlass äußern, was zu Tumulten im allgemeinen Volk führt (3. Szene). Als der Staatssekretär sich an einem geheimen Ort mit dem von ihm ernannten Nachfolger trifft, kündigt ein lauter Schrei aus dem Off die Absetzung des Regenten aus dem Nachbarreich an, woraufhin der erschrockene Museumsdirektor seine Flucht ins Ausland ankündigt (4. Szene).
2. Akt
Der abgesetzte Regent des Nachbarreiches stellt sich mit einer Rede vor die Presse, in der er für seinen ehemaligen Widersacher Partei ergreift und zur Hexenjagd gegen den Staatssekretär aufruft (1. Szene). Von dem Elan mitgerissen entfacht die Presse einen Sturm, bei dem sich ein Tornado plötzlich in einen Scheißhaufen verwandelt, der für den Rest des Aktes in der Luft schweben wird, die Fürsten heizen den Sturm mit lauten Parolen an, die das allgemeine Volk wie ein Echo wiedergibt (2. Szene). Der inzwischen stark angeschlagene Staatssekretär sucht den noch herrschenden Regenten während eines rauschendem Festes auf und verlangt Abbitte, die ihm jedoch verwehrt wird, woraufhin seine Anhänger den Staatssekretär vom Hofe jagen und alle Tore von innen verriegelt werden (3. Szene). Vor den Toren bricht der Staatssekretär in den Armen des zurückgekehrten Museumsdirektors zusammen, der in Folge dessen gerade noch rechtzeitig vor dem allgemeinen Volk in ein anliegendes Versteck flüchten kann, vor dessen Eingang am Ende des Aktes der Scheißhaufen landet (4. Szene).
3. Akt
Am Hofe hat sich der scheidende Regent inzwischen mit dem Nachfolger des Staatssekretärs angefreundet, gemeinsam erörtern sie die Möglichkeiten zur Auflösung des erteilten Beschlusses, während eine Gruppe Anarchisten, die aus dem allgemeinen Volk vervorgegangen ist, zur Audienz am Hofe eintreffen, sich jedoch mit ihrem Anliegen bedeckt halten (1. Szene). Ein Fürst tritt während des immer noch andauerndes Festes am Hof vor die Presse und sorgt dafür, dass der Sturm aus dem 2. Akt abermals entfacht wird. Der Museumsdirektor entgeht beim Verlassen seines Versteckes nur knapp dem Scheißhaufen, der laut seiner Aussage jeden Tag von einem aufkommenden Sturm in die Luft geschleudert wird und dann wieder auf dem Boden vor dem Versteck landet (2. Szene). Die Gruppe der Anarchisten bewaffnet sich mit einigen Munitionen Scheiße und trifft beim Zielen auf das Versteck des Museumsdirektors mehr oder weniger versehentlich das allgemeine Volk. Es kommt zu einer verbalen Schlacht zwischen Vertretern des allgemeinen Volkes mit den Anarchisten, die von nun an immer wieder zwischen dem restlichen Geschehen aufflammen wird (3. Szene). Vollends betäubt vom allgemeinen Rauschgefühl, das am Hof und vor dessen Toren herrscht, tritt der abgesetzte Regent am letzten Tage seiner Herrschaft vor die Massen und sprengt sich mit dem Wahrzeichen seines Hofstaates vor allen Anwesenden in die Luft, während seine Anhänger sowie der neue Staatssekretär das Geschehen anfeuern (4. Szene).
4. Akt
Einige Wochen später. Wir erfahren von der Presse, dass auch der benachbarte Regent inzwischen verschieden ist und von dem Museumsdirektor, der nun eigentlich seine Herrschaft antreten sollte, jede Spur fehlt (1. Szene). Die vorherrschende Ruhe wird plötzlich durch lautes Getöse am Hof unterbrochen. Die Gruppe der Anarchisten öffnet die verschlossenen Tore und beginnt ein tosendes Konzert mit dem Titel „Wiederauferstehung“, bei dem aber die Presse erfolglos versucht, etwas zu verstehen und welches letztendlich durch einen Stromausfall unterbrochen wird. Da keiner der Anarchisten weiß, wie die Sicherungen wieder eingesteckt werden, und sich einige von ihnen nun eher den Revanchisten zugehörig fühlen, verlassen sie den Hof, vor dessen Toren nun der neue Staatssekretär widerwillig die Tür für den Museumsdirektor offen hält und beinahe von dem wieder auffliegenden Scheißhaufen erschlagen wird (2. Szene). Der sichtlich gealterte und derweil mit Scheiße beschmutzte Museumsdirektor betritt nun endlich den Hof und fällt bei Besteigung des Thrones in einen tiefen Schlaf (3. Szene).
5. Akt
Wieder einige Wochen später. Während Teile der vermeintlichen Anarchisten vor den Toren ausharren und den Hof vereinzelt mit Scheiße bewerfen, kommt die Presse schlaftrunken aber höchstvergnügt von einer Audienz beim neuen Regenten und verkündet dem allgemeinen Volk, dass man unbesorgt sein kann, denn die erste Annahme sei die richtige und es gäbe „absolut gar keinen Anlass, erstaunt zu sein.“
Interpretation
Der Text lässt nur eine Lesart zu: Alte, weiße Männer sind der Cancer für unsere Gesellschaft und gehören beseitigt. Allerdings gibt es noch etwas, das Schlimmer als sie ist: Die Masse. Sie produziert eigentlich nur die titelgebende Schei*e, die ihr dann selbst um die Ohren fliegt.
Links
- inspirierende Sekundärliteratur in der Berliner Gazette
- nochmal inspirierende Sekundärliteratur, diesmal im Freitag
Referenzen
| Volksbühne | |
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| Bosse | Emil Lessing • Max Reinhardt • Friedrich Kayssler • Fritz Holl • Heinrich Neft • Karl Heinz Martin • Heinz Hilpert • Bernhard zu Solms-Laubach • Eugen Klöpfer • Fritz Wisten • Wolfgang Heinz • Maxim Vallentin • Karl Holàn • Benno Besson • Fritz Rödel • Annegret Hahn, Marion van de Kamp & Winfried Wagner • Annegret Hahn (2.) • Frank Castorf • Chris Dercon • Klaus Dörr • Gabriele Gornowiz & Sabine Zielke • René Pollesch |
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1906–08: Abriss (Staffel 1) |