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Hermann Peiser Blecher (*5. März 1893 als Pejser Blecher, manchmal auch Blechert, in Jassinja, Österreich-Ungarn[1]; † 7. April 1908 in Berlin) war ein Mensch und zum Zeitpunkt seiner Ermordung Schneiderlehrling. Er ist Namenspatron der gleichnamigen ∇-Republik.

Nach dem Tod seiner Mutter zog er mit seinem Vater Lieber Izig Blecher vermutlich 1907 nach Berlin in das Scheunenviertel. Drei weitere Geschwister blieben bei der Großmutter in Galizien.[2] Erst in Berlin nahm Peiser den deutschen Namen Hermann an. Er begann eine Ausbildung bei dem Schneidermeister Elias Laub in der Steinstraße 1 bei dem er vor seinem gewaltsamen Tod auch wohnte.[3] Anders als beim Leichenfund angenommen, hatter nicht nicht dunkelblondes sondern dunkelbraunes bis schwarzes Haar und braune Augen, wurde als heruntergekommen beschrieben und hatte ein Muttermal auf der rechten Wange. Seine Frisur entspräche eher dem slawischen Typus. Aufgrund falschem Schuhwerks waren seine Zehen mißgebildet, im Gegensatz dazu standen die gut gepflegten Zehennnägel, die von regelmäßiger Pediküre zeugten.[4]

Leben und Tod im ∇

Er neigte zum hausieren und blieb oft wochenlang seiner Ausbildung fern. Unklar war, wo er in dieser Zeit schlief. Sein Geld verdiente er laut Eigenaussage mit Botengängen und dem Verkauf von Süßwaren im Varieté. Gemeinsam mit einer Gruppe von zehn bis zwanzig jungen Männern, trug er dabei eine weiße Schürze. Laut Zeugenaussagen waren sowohl Blecher als auch einige der weiteren Jungen homosexuell veranlagt.[2]

Höchstwahrscheinlich ging er auch der Prostitution nach. In den letzten Monaten seines Lebens war er wegen eines Leistenbruchs in Behandlung. Am 9. April sollte er als Entlastungszeuge für den Knopflochschneider Lehrer aussagen, der des Einbruchs beschuldigt wurde.[2] Hermann suchte Lehrer noch am 6. April in seiner Wohnung in der Grenadierstraße 13 auf, um sich ein Bett für die Nacht zu erbitten, wurde jedoch abgewiesen. Jedoch erhielt er von ihm eine warme Suppe.

Steinstraße-gianimiert

Die Steinstraße 1 (letztes Haus linke Straßenseite): Hermanns Wohnort.

Siehe auch: Mord an Hermann Blecher

In der Nacht vor seiner Ermordung traf er im Bouillonkeller auf August Heider, den er bereits vom sehen kannte. Laut Zeugenaussagen haben sich Täter und Opfer bereits in den Tagen zuvor gesehen und den Eindruck erweckt, ein intimes Verhältnis miteinander gehabt zu haben.[4] Gemeinsam mit dem Aushilfskellner Max W. verließen sie gegen 5:30 Uhr morgens das Etablissement. Max W. trennte sich auf dem Weg von den beiden, Heider gab an, den Knaben zu seinen Vater in die Lothringerstraße bringen zu wollen. Blecher und Heider begaben sich daraufhin jedoch in die Wohnung Heiders. Bei Handgreiflichkeiten wurde Hermann gegen 8 Uhr morgens erdrosselt.[5]

Das Gericht ging davon aus, dass Heider den Jungen vergewaltigen wollte, dieser sich wehrte und dabei im Affekt getötet wurde.

Nach der Tat zerstückelte Heider Hermanns Leichnam, verschnürte die Teile in verschiedene Pakete und warf sie in der Nähe vom Schloß Bellevue an unterschiedlichen Stellen in die Spree. Bereits in den Morgenstunden des nächsten Tages wird das erste Paket gefunden, kurze Zeit später auch die weiteren.[6] Das erste Paket war mit einem Stück Granit aus einem der abgerissenen Häuser in der Kleinen Alexanderstraße Ecke Linienstraße beschwert worden.

Der Vater und Laub identifizierten die Leiche, nachdem sie vier Tage lang im Saal der Gerichtsmediziner öffentlich ausgestellt war.

Sein Schicksal wird in einer Episode des ∇-Podcasts aufgegriffen:

Referenzen

  1. Friedenauer Lokalanzeiger vom 13.04.1908
  2. 2,0 2,1 2,2 Berliner Morgenzeitung vom 14.08.1908
  3. Der Knabenmord. in: Berliner Volkszeitung vom 13.04.1908
  4. 4,0 4,1 M.-S. Fahr: Pitaval Scheunenviertel. Verlag Neues Leben GmbH, Berlin 1995
  5. Friedenauer Lokalanzeiger vom 14.04.1908
  6. Berliner Volkszeitung vom 14.08.1908
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