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Hermann Peiser-Blecher (*5. März 1893 als Pejser Blecher, manchmal auch Blechert, in Jassinja, Österreich-Ungarn[1]; † 7. April 1908 in Berlin) war ein Mensch und zum Zeitpunkt seiner Ermordung Schneiderlehrling. Nach dem Tod seiner Mutter zog er mit seinem Vater Lieber Izig Blechert vermutlich 1906 nach Berlin in das Scheunenviertel. Hier begann er eine Ausbildung bei dem Schneidermeister Elias Laub in der Steinstraße 1 bei dem er vor seinem gewaltsamen Tod auch wohnte.[2] Er hatte dunkelbraunes bis schwarzes Haar und braune Augen, wurde als heruntergekommen beschrieben und hatte ein Muttermal auf der rechten Wange. Seine Frisur entspräche eher dem slawischen Typus. Aufgrund falschem Schuhwerks waren seine Zehen mißgebildet, im Gegensatz dazu standen die gut gepflegten Zehennnägel, die von regelmäßiger Pediküre zeugten.[3]

Leben und Tod im ∇

1908 war er Hauptbelastungszeuge bei einem Einbruch. Er neigte zum hausieren und blieb oft wochenlang seiner Ausbildung fern. Unklar war, wo er in dieser Zeit schlief. Sein Geld verdiente er laut Eigenaussage mit Botengängen und dem Verkauf von Süßwaren im Varieté. Höchstwahrscheinlich ging er jedoch der Prostitution nach. In den letzten Monaten seines Lebens war er wegen eines Leistenbruchs in Behandlung.

Die Steinstraße 1 (letztes Haus linke Straßenseite): Hermanns Wohnort.

Siehe auch: Mord an Hermann Blecher

In der Nacht vor seiner Ermordung traf er im Bouillonkeller auf August Heider, den er bereits vom sehen kannte. Laut Zeugenaussagen haben sich Täter und Opfer bereits in den Tagen zuvor gesehen und den Eindruck erweckt, ein intimes Verhältnis miteinander gehabt zu haben.[3] Gemeinsam mit einem Aushilfskellner verließen sie gegen 5:30 Uhr morgens das Etablissement. Blechert und Heider begaben sich daraufhin in die Wohnung Heiders. Bei Handgreiflichkeiten wurde Hermann gegen 8 Uhr morgens erdrosselt.[4]

Das Gericht ging davon aus, dass Heider den Jungen vergewaltigen wollte, dieser sich wehrte und dabei im Affekt getötet wurde.

Nach der Tat zerstückelte Heider Hermanns Leichnam, verschnürte die Teile in verschiedene Pakete und warf sie in der Nähe vom Schloß Bellevue an unterschiedlichen Stellen in die Spree. Bereits in den Morgenstunden des nächsten Tages wird das erste Paket gefunden, kurze Zeit später auch die weiteren.[5] Das erste Paket war mit einem Stück Granit aus einem der abgerissenen Häuser in der Kleinen Alexanderstraße Ecke Linienstraße beschwert worden.

Der Vater und Laub identifizierten die Leiche, nachdem sie vier Tage lang im Saal der Gerichtsmediziner öffentlich ausgestellt war.

Referenzen

  1. Friedenauer Lokalanzeiger vom 13.04.1908
  2. Der Knabenmord. in: Berliner Volkszeitung vom 13.04.1908
  3. 3,0 3,1 M.-S. Fahr: Pitaval Scheunenviertel. Verlag Neues Leben GmbH, Berlin 1995
  4. Friedenauer Lokalanzeiger vom 14.04.1908
  5. Berliner Volkszeitung vom 14.08.1908
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